Donnerstag, 5. Januar 2012
THE STALKER ON MUSIC
g.javas, 12:42h

Erstaunlich! Wirklich, es ist doch überraschend, da glaubst du, alles Glück auf Erden gefunden zu haben. Und doch lugt da mit schmalen, zischelnden Augen eine große Unzufriedenheit aus seinem schlammigen Schatten hervor.
In einem Wettbewerb alles auf eine Karte setzen. Wer das kann, boah, den bewundere ich! Sei es bei einem Geschäft, beim Glücksspiel, in der Liebe, bei einem Lebenstraum. Und wer da gewinnt, meine Glückwünsche! Und immer noch Bewunderung für den oder die, der beziehungsweise die verliert!
Es ist aber ein bisschen wie mit Komikern. Man glaubt ja, die sind auch privat so lustig. Und dann erfährt man, nee, die sind völlig normal. Da ist man natürlich enttäuscht, glaubst du nicht. So eine Leere empfindet man: wie langweilig!
Aber vielleicht ist das ja auch ganz richtig. Es gibt Show. Und es gibt das Leben halt. Wo Show häufig unpassend.
Ein bisschen ist das mit Wettbewerbssituationen und solchen Umständen, wo es keinen Wettbewerb gibt. Die Wettbewerbssituation zeichnet sich aus durch: fiebrige Erwartung, riskante unmittelbare Entscheidung, drastische Wendung. Sekt oder Selters. Und so halt. Wenn aber ein Umstand keine Wettbewerbssituation ist: kalkulierende Erwartungshaltung, ein faules Was-du-heute-kannst besorgen-verschiebe-nicht-auf-morgen, „alles fließt“. Ein Basar an Möglichkeiten. Wieso nun unter solchen Umständen alles auf eine Karte setzen?
Zum Beispiel. Du hörst es vom Radiomoderator, du liest es in Internetforen, du liest es auf amazon bei Kundenbewertungen, du liest es bei Musikrezensionen. Da wird eine Band oder ein Musikstil als das einzig Wahre angepriesen, glaubst du nicht. Der ganze Rest wird mit einer Leerstelle bedacht, die dann beliebig mit einem Repertoire an Verunglimpfungen aufgefüllt wird, da klappt dir die Kinnlade runter. Dermaßen ein Spektrum an Ausdrücken, Von neurotischen Satzgefügen bis hin zu sich aller Hemmungen entledigten peitschenden Ellipsen, da ist alles dabei.
Nun, da hat also wer das Glück seines Lebens mit einer Musik oder einer Band gefunden. Doch zugleich die Unzufriedenheit. Es gibt da noch andere Musik oder Bands oder Interpreten. Und das gefällt auch noch wem! - Man sagt ja, hättest du geschwiegen, dann wärst du Philosoph geblieben. Das lässt sich wohl übertragen. Hättest du nicht geschimpft, wärst du ein glücklicher Mensch geblieben.
Nun, ich würde dies also einen klassischen Fall von Verwirrung nennen. Denn, Wettbewerb und nicht Wettbewerb. Das ist eine Unterschied, Unterschied noch Hilfsausdruck.
Ich möchte eine Begründung aber nicht vorenthalten. In Andrej Tarkowskijs Film »Stalker« wird über Musik geplaudert. Hier: http://www.youtube.com/watch?v=vpXjs3fb1Sw
Ich finde ja die Aussage entscheidend, „Was gerät ins Schwingen in uns?“ Ich behaupte, das will heißen: Die Musik die mir gefällt, hat was mit mir zu tun. Nun, nicht das du glaubst, wer Pop hört, ist oberflächlich oder dumm. Und wer musique concrète hört, der hat einen IQ, da reißt du nur deine Augen auf, so staunen kannst du gar nicht. Vielleicht verhält es sich nämlich so: Die Musik, die dich und mich am ehesten anspricht, betrifft unsere Oberfläche. Wer wir nach außen hin sind oder sein wollen. Sonst würden wir ja nicht so publik gehen mit unserem Musikgeschmack.
Vielleicht ist es deshalb so, dass man die Tiefen seiner selbst in gerade in der Musik findet, die man selten bis nie hört. Und dann gibt es da plötzlich ein Lied, das einem gefällt. Und man ist überrascht!
Ich höre am liebsten z.B. solche Musik:
* Lycia - „Anywhere But Home“ (von The Burning Circle and Then Dust, CD 1) --> http://www.youtube.com/watch?v=UZdDD-oeot8
* Elend - „The Hemlock Sea“ (von Sunwar the Dead) --> http://www.youtube.com/watch?v=ghnJQp4Pb1Q
* Jonathan Harvey & Frances-Marie Uitti - „six“ & „seven“ (von Imaginings) --> http://www.youtube.com/watch?v=mMLthtOXbqY
* Supersilent - „1.3“ (von 1-3) --> http://www.youtube.com/watch?v=oCPcGHrksoA
Doch irgendwann hörte ich das Lied „Dancing“ von Elisa. Und war hin und weg... http://www.youtube.com/watch?v=LGZ--YFzqXg
... comment